
Dass ich Legastheniker bin, wurde bereits in der Volksschule erkannt. Mein Problem lag in der Rechtschreibung und zog sich durch meine gesamte Schul- und Berufsausbildung. Nach meinem Lehrabschluss fand ich mich mit meiner Schreibschwäche ab. In den folgenden zehn Jahren war ich in Berufen tätig, in denen ich keine oder nur wenige Schreibarbeiten machen musste. Danach bekam ich eine Stelle, in der ich plötzlich mit Formularen, Sachverhaltsdarstellungen, usw. konfrontiert war.
Was mich in einige peinliche Situationen brachte. Das Schlüsselereignis, das mich motivierte einen Kurs zu beginnen, ereignete sich aber im Privatleben. Bei einem Besuch bei Freunden, drückte mir der Gastgeber ein Gästebuch in die Hand und bat mich um einen Eintrag. Mich rettete meine Freundin mit der Ausrede, sie habe eine schönere Schrift, aber für mich stand fest, es muss sich was ändern. Als mir dann noch eine leitende Stelle in Aussicht gestellt wurde, vereinbarte ich einen Termin in einem Legasthenieinstitut. Seit dem sind sechs Monate vergangen. In dieser Zeit besuchte ich einmal pro Woche für eine Stunde die Schule und arbeitete zu Hause noch ca. vier Stunden pro Woche. Der Unterricht teilt sich in Aufmerksamkeits- und Rechtschreibtraining. Das Um und Auf ist die gute Aufmerksamkeit beim Schreiben. Als mir das klar wurde, waren die Probleme nur noch halb so groß. Es gibt viele Möglichkeiten zu einer guten Aufmerksamkeit zu finden, wie Atemtechnik, Fingerübungen, usw.
Für mich selbst reicht es inzwischen, dass ich mir sage, ich muss aufmerksam sein, wenn ich schreibe. Das geht so schon ca. dreißig Minuten, danach mache ich eine kleine Pause. Meine Fehlerquote ist sehr stark zurück gegangen, was für mich sowohl im Beruf und auch im Privaten eine große Erleichterung ist. Aber es hat mich auch als Mensch verändert. Ich habe nun viel mehr Selbstvertrauen und Sicherheit im Umgang mit Menschen. Die Lebensqualität hat merkbar zugenommen. Für die Zukunft möchte ich meine Rechtschreibung weiter verbessern und die Zeit, die ich sehr aufmerksam bei der Sache des Schreibens bin, verlängern.
Man muss sich mit Legasthenie oder Schreibschwäche nicht abfinden, man kann es ändern, wenn man will.© 2009 Dyslexia Research Center AG Impressum